München – Ancona – Patras – Kilini – Kefalonia

München – Ancona – Patras – Kilini – Kefalonia

Fähre Hafen Ancona

Auf dem Sonnendeck der Fähre im Hafen von Ancona.

Diesmal ging es nicht über den Balkan nach Griechenland sondern der Einfachheit halber, aber vor allem wegen des mitzunehmenden Anhängers, über Italien und dann per Fähre bis auf Kefalonia, die größte der ionischen Inseln. Dank Anhängergeschwindigkeit und bestimmten Verzögerungen dauerte die gesamte Reise fast ziemlich genau 48 Stunden.Los ging es Donnerstagabend mit einer halben Stunde Verspätung um halb Zehn in München Richtung Fährhafen von Ancona. Die Fahrt durch die Nacht war wenig spektakulär, da man die Landschaft eh nicht sehen konnte und da wir Dank Anhänger auch nicht übermäßig schnell fahren konnten. Die spärlich fahrenden LKWs nutzten die nächtliche Ruhe auf jeden Fall für ausgiebige Überholmanöver und selbst eine eigene Geschwindigkeit von 100 km/h konnten sie nur schwer davon abhalten – Richtung Süden wird also scheinbar immer noch als erstes der Begrenzer ausgeschaltet.

Fähre Hafen Ancona

Auf dem Sonnendeck der Fähre im Hafen von Ancona.

Nach 12 Stunden Fahrt mit mehreren kurzen Pausen erreichten wir den Fährhafen von Ancona, an dem uns die Dame beim Check-In verschwieg, dass die Fähre Superfast XI mehrere Stunden Verspätung hat, statt dessen sagte sie uns, wir könnten gleich weiter zur Fähre fahren. Anstatt nun also noch ein paar Stunden in Ancona selbst verbringen zu können, schlugen wir zusammen mit vielen anderen die Zeit in der Gluthitze am Hafen tot.

Als die superschnelle Fähre dann mit mehrstündiger Verspätung ankam, lief das Ent- und Beladen dann glücklicherweise generalstabsmäßig ab. Dank Anhänger wurde uns ein Parkplatz auf dem oberen der beiden geräumigeren LKW-Decks zugewiesen, direkt am Bereich für die Caravanbesitzer, die an Bord kampieren können. Der Einweiser auf Deck entschied sich allerdings für eine recht komplizierte Einweisungsvariante. Anstatt zu verstehen zu geben, wohin der Anhänger samt Auto rückwärts gestellt werden sollte, gab er jedes einzelne Lenkkommando, was anfangs eher unverständlich war, bis wir erkannt hatten, wo er uns hin dirigieren wollte.

Fähre Pool

Bier am Pool der Fähre

Die Fähre selbst, Superfast XI, hatte 2002 zusammen mit zwei Schwesterschiffen übrigens direkt zur Insolvenz der Lübecker Flender-Werke beigetragen, die sich mit dem Bau des Schiffs übernommen hatten. Schnell fuhr sie mit 27 Knoten allerdings schon, zumindest für eine Fähre, und sie kam mit ihrer Ausstattung, die an ein günstiges Kreuzfahrschiff erinnerte, der Fahrtzeit von 21 Stunden entgegen. Neben dem Sonnendeck, auf dem wir übernachteten, da wir keine Kabinen gebucht hatten, gab es einen Poolbereich mit Liegen und Bar, auf dem Deck darunter eine selbsternannte Disco mit Miniaturtanzfläche, ein Casino mit Spielautomaten, eine Spielhalle mit Arcade-Spielen, ein kleines Internetcafe und mehrere kleine Lounge-Bereiche. Die „Disco“ öffnete offiziell nach dem Schließen der Poolbar um halb elf ihre Pforten, blieb aber mit einem einzigen Gast am Tresen verweist. Die Arcade-Automaten fraßen mehr Geld als sie Spielspaß lieferten, insbesondere der Rennspielsimulator, bei dem man nicht von der Stelle kam – vielleicht hätte man bei den aktuellen Benzinpreisen mehr Münzen einwerfen müssen…

Müllregeln

Was man so alles über Board werfen darf.

Sehr interessant waren auch die rechts zu sehenden Regeln für die Müllentsorgung auf hoher See. Es scheint nämlich nicht so zu sein, dass man da nichts über Bord werfen dürfte. Bestimmte Dinge können scheinbar ohne Bedenken je nach Meeresgebiet einfach über die Reling entsorgt werden.

Fähre Sonnendeck

Sonnenuntergang über der Adria vom Sonnendeck der Fähre aus.


Insgesamt war die Überfahrt dank einigermaßen sauberer Duschen aber recht entspannt, trotz wenig Schlaf. Einen kleinen Teil der Verspätung holte die Fähre dann sogar wieder raus, so dass für die Anschlussfähre in Kilini kein Zeitdruck bestand.

Fahrt Patras Kilini

Fahrt vom Hafen in Patras zum Hafen in Kilini


Patras und Kilini, zwei auf dem griechischen Festland liegende Fährhäfen sind mit 70 km nicht weit voneinander entfernt und schnell erreichbar. Es gibt von Patras zwar auch eine direkte Verbindung zu Sami auf Kefalonia, die Fähre ist allerdings teurer als die Verbindung von Kilini nach Porros auf Kefalonia.

Die Fähre von Kilini nach Porros legte pünktlich ab und war um einiges kleiner als die Superfast zwischen Ancona und Patras, was den Be- und Entladungsvorgang wesentlich unkomplizierter gestaltete. Dafür war sie auf dem Personendeck dermaßen stark klimatisiert, dass man es eigentlich nur auf den Außendecks aushalten konnte, zumindest wenn man den Außentemperaturen entsprechend sommerliche bekleidet war.

Sonnenuntergang Kefalonia

Sonnenuntergang über Kefalonia


Nach etwa einer Stunde Fahrt tauchte im Licht der untergehenden Sonne Kefalonia vor uns auf, womit es schon fast geschafft war. Dabei vergaßen wir dann allerdings, uns rechtzeitig zu den Fahrzeugen im Unterdeck zu begeben, wodurch wir uns erst durch die wartenden Passagiere ohne Fahrzeug quetschen mussten und danach noch den Entladeverkehr überstehen mussten.

Als wir das Schiff verlassen hatten, war die Sonne schon fast komplett untergegangen und so erreichten wir um etwa halb zehn Uhr Abends, nach 48 Stunden Auto- und Schifffahrt, Grizata auf Kefalonia.

Weitere Bilder gibt es hier.

Auf dem Rückweg von Kefalonia nach München erfuhren wir dann übrigens, warum das Schiff auf dem Hinweg in Ancona so verspätet war. Die Organisation der Parkplätze an den Docks obliegt den Hafenmeistereien und die handhaben das immer etwas anders, oder wie im Falle von Patras einfach gar nicht. Waren wir in Ancona noch alle je nach Typ zusammen in einen Parkbereich gewiesen worden, also LKW zu LKW, Auto zu Auto, Caravan zu Caravan, PKW mit Anhänger zu, usw., so parkten in Patras alle wild durcheinander, was beim Eintreffen der Fähre zu heillosem Chaos führte, das von der Crew aus Schiffseinweisern erst einmal bewältigt werden musste. Umso überraschender war das Chaos in Patras, weil der Hafen im Vorfeld sehr gut organisiert und modern war, ab Dock ließ man die Schiffsbesatzung dann aber mit dem Knäuel aus LKWs, Autos, Caravans und Motorrädern alleine.

Dass aber auch Griechen eine Be- und Entladung organisiert durchführen können, beweist das folgende im Hafen von Igoumenitsa aufgenommene Video, wo die Fähre nach Patras einen Stopp einlegte.

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