Ein Brocken Verschwörungstheorie

Ein Brocken Verschwörungstheorie

Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok hat sich im Interview mit WELT ONLINE davon überzeugt gezeigt, dass quasi eine angelsächsische Verschwörung gegen den Euro laufe. Europa feindlich gesinnte Kreise in Washington würden zusammen mit der bösen (anglo-amerikanischen) Finanzindustie die Vernichtung des Euro vorantreiben und dazu die Rating-Agenturen als Speerspitze nutzen. Warum aber sollten sich die US-Amerikaner ins eigene Knie schießen? Nur für kurzfristige Gewinne? Von einem niedergehenden Europa haben sie nichts.

Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok hat sich im Interview mit WELT ONLINE davon überzeugt gezeigt, dass quasi eine angelsächsische Verschwörung gegen den Euro laufe. Europa feindlich gesinnte Kreise in Washington würden zusammen mit der bösen (anglo-amerikanischen) Finanzindustie die Vernichtung des Euro vorantreiben und dazu die Rating-Agenturen als Speerspitze nutzen. Warum aber sollten sich die US-Amerikaner ins eigene Knie schießen? Nur für kurzfristige Gewinne? Von einem niedergehenden Europa haben sie nichts.

Die Rating-Agenturen haben sich während der Subprime-Krise sicherlich nicht mit Ruhm bekleckert, als sie Ramschpapiere mit Tob-Bewertungen auszeichneten. Was Brok und andere nun monieren kommt der Forderung gleich, die selbe Dummheit wieder zu begehen, nur diesmal zum „Wohle“ des Euro-Projekts. Die Agenturen versuchen ein zukünftiges Risiko für die Anleger zu bewerten, und da sieht es entgegen der Euro-Propaganda nicht so rosig aus, wie Leute wie Brok weißmachen wollen. Die nur schwachen Kursverluste der Märkte auf die Herabstufung von Frankreich und anderen Euro-Ländern weisen eher darauf hin, dass sie die Einschätzung der Agenturen teilen und diese schon in ihre Preise und Aktivitäten einbezogen haben.

Brok will von ihnen die Anstregungen gewürdigt sehen, die Länder wie Italien und Spanien unternommen haben, um sich aus der Schuldenfalle zu befreien. Er verlangt also Applaus für etwas, das bisher nur groß angekündigt wurde, aber noch nicht umgesetzt worden ist. Dabei gibt es erste Anzeichen, dass die Politik die ersten Hoffnungsschimmer bei der Staatsverschuldung zum Anlass nimmt, die harten geplanten Auflagen zu verwässern. Und auch der scheinbar so rund laufende Deutsch-Französische Europamotor scheint nach Meinung mancher (Vorsicht! Autor ist US-amerikanische Professor…) nicht so gut wie behauptet zu laufen.

Den Rating-Agenturen wirft er weiterhin vor, mit harten Entscheidungen für sich Werbung machen zu wollen. Eine harte Entscheidung bringt den Agenturen aber nichts, wenn sie nicht stimmet (was nicht heißt, dass diese unfehlbar sind). Ihr Kapital ist das Vertrauen ihrer Kunden in ihre Einschätzungen. Ist eine harte Entscheidung falsch, dann ist sie für sie genauso schädlich wie eine falsche lasche Entscheidung. Hat man sich in der letzten Krise über ihre zu laschen Bewertungen aufgeregt, so treibt man das Spiel nun anders herum und bezeichnet ihre Bewertungen als zu hart.

Das die Euro-Zone heillos überschuldet ist, ist nicht das Ergebnis der Bewertungen der Rating-Agenturen. Da hilft auch nicht der erneuerte Ruf nach einer „unabhängigen, europäischen“ Rating-Agentur. Das würde eher zu einer politisch beeinflussbaren und damit nicht ernst zu nehmenden Institution führen. Im Übrigen befindet sich Fitch Ratings, die Nummer drei der großen Agenturen, mehrheitlich im Besitz der fanzösischen FIMALAC-Holding.

Elmar Brok macht nichts anderes als Sündenböcke suchen. Die Entscheidung von S&P war schon länger angedroht und erwartet worden, was auch nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass immer weniger Länder die Last vieler tragen müssen. Das grundlegende Problem der Euro-Zone ist bis heute nicht gelöst, warum sollte man das ignorieren, so wie es die europäischen Eliten machen? Die Sündenböcke in Übersee zu suchen und zu finden hat natürlich auch den Vorteil, transatlantisches Schattenboxen betreiben zu können, mit einem Gegner, den man eh nicht erreicht.

Amüsant ist auch, dass diese Verschwörungstheorie von einem Mann vertreten wird, dessen Verflechtung zwischen Europaparlament und Bertelsmann-Konzern vom Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim mehrmals als „legale Korruption“ bezeichnet wurde..


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