Alle Jahre wieder: Killerspiele

Alle Jahre wieder: Killerspiele

Hm, keine Amoklauf weit und breit, dafür ein Bewaffneter, der sich in Siegen verschanzt hat. Ob er Ego-Shooter gespielt hat ist noch nicht heraus gekommen, statistisch gesehen stehen die Chancen dafür aber bestimmt gut. Immerhin ist der Verdächtige angeblich männlichen Geschlechts und 28 Jahre alt. Prof. Dr. Christian Pfeiffer wird uns sicherlich bald aufklären. Pfeiffer ist zwar der Meinung, dass ihm nicht genehme Spiele, insbesondere Ego-Shooter, die Spieler negativ konditionieren würden, aber würde wohl kaum jemanden zum Bürgermeister von Hannover wählen, der sich seine Qualifikation in Sim City erworben hat – positive Konditionierung scheint es nämlich nicht zu geben. Es sei denn, es geht um multimediale Umsetzungen der „guten“, alten Brettspiele.

Unabhängig davon hat sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion heute von der Entscheidung der unabhängigen Jury des Deutschen Computerspielpreises distanziert. Die hat die Frechheit besessen, in der Kategorie „Bestes Deutsches Spiel“ ein von den Unions-Fraktionen so genanntes Killerspiel zu nominieren. Schön ist dabei auch die Wendung „so genanntes Killerspiel“, die nur von deren Kritikern so genutzt wird und einzig und allein der Diffamierung dient. Da die unabhängige Jury nicht so will, wie man selbst, steht man auch einer Neubesetzung gegenüber offen. Alles klar.

Es ist immer wieder schön zu sehen, dass eine Partei, die sich mal für die Erhaltung der allgemeinen Wehrpflicht stark gemacht hat und an vorderster Front für die Zustimmung zu Kampfeinsätzen der Bundeswehr streitet, immer wieder mal das Thema „so genannte Killerspiele“ aus der Mottenkiste holt. Wir werden irgendwann noch zu tode geschützt, so wie die Soldaten, die ohne robuste Mandate und mit Kindergartenregeln in gefährliche Einsätze geschickt werden.

Aber nicht nur da herrscht eine extreme Diskrepanz zwischen Realität und dem, was sich manche Experten darunter einbilden. Mit dem Talib will man gemeinsam für den Frieden beten (a la Käßmann) und vor Ego-Shootern hat man Angst. Es sind wohl nicht die Spieler, die mittlerweile in der Abschätzung von Gefahren und Determinationen der Realität entglitten sind, sondern die selbsternannten Wächter unser aller Seelenheils.

Spielten wir als Kinder noch freudig mit unseren Holzgewehren, Holzwschwertern und selbst gebauten Pfeil und Bogen, würde das heute wohl sofort eine Horde Therapeuten und Kriminologen a la Pfeiffer auf den Plan rufen, die sich Sorgen um unsere Entwicklung machen. Wir haben uns da zwar in gewisser Weise sportlich betätigt, aber pädagogisch wertvoll war das aus gutmenschlicher Expertensicht sicherlich nicht. Außerdem ist die Würde des Menschen unantastbar und dem läuft Peng-Peng-Peng rufen verfassungsfeindlich zuwider….


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