Bald endlich echter Elektrosmog

Bald endlich echter Elektrosmog

Was machen selbst ernannte elektrosensible Naturen eigentlich im heraufbeschworenen Jahrhundert der Elektormobilität? Zu Hause bleiben? Ganz egal, da beides Schwachsinn ist. Interessant sind aber sehr wohl die Auswirkungen der Elektromobilität, denn auch dort kommt der Strom ja nicht einfach nur aus der Steckdose.

Was machen selbst ernannte elektrosensible Naturen eigentlich im heraufbeschworenen Jahrhundert der Elektormobilität? Zu Hause bleiben? Ganz egal, da beides Schwachsinn ist. Interessant sind aber sehr wohl die Auswirkungen der Elektromobilität, denn auch dort kommt der Strom ja nicht einfach nur aus der Steckdose.

Die aktuelle Ausgabe der ADAC Motorwelt (Heft 1 2012) enthält einen Test des kommenden Opel Ampera, eines Elektroautos mit Reichweitensteigerer auf Basis eines Ottomotors. Die Tester vom ADAC haben dabei schönerweise die CO2-Emissionen in den verschiedenen Nutzungsarten angegeben und dabei den aktuellen deutschen Energiemix zu Grunde gelegt, denn – manche wird es überraschen – auch Elektrofahrzeuge fahren nicht Emissionsfrei, da der verbrauchte Strom ja irgendwo generiert werden muss. Angenommen wurde eine Fahrtstrecke von 100 km, wobei die Batteriekapazität für 80 km reicht. Bei rein elektrischer Fahrt (zwischenzeitliche Aufladung) stößt das Fahrzeug 98 g/km CO2 aus, bei kombinierter Fahrt aus Batterie und Otto-Motor sind es 102 g/km, allein vom Benziner angetrieben sind es 131 g/km.

Umweltretter wird es nun freuen, dass Opel passend zum Auto einen speziellen Stromtarif anbietet, der bevorzugt Strom aus regenerativen Energien in den Akku pumpt.

Die Bundesregierung will den Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch bis 2020 auf 18% (2009: 5,5%) erhöhen, der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hält bis dahin natürlich schon 28%, also eine verfünffachung gegenüber 2009, für möglich. Grünes Traumendziel sind natürlich irgendwann einmal 100%.

Bleiben wir mal bei den Traumzahlen des BEE. 2020 könnten seiner Meinung nach 47% des Stroms beim Endenergieverbrauch aus erneuerbarer Energie gedeckt werden, für den Bereich Verkehr geht er von 22% aus. 2009 wurden im Bereich Verkehr 2.538 Petajoule verbraucht, von denen 92% durch Mineralöle bereitgestellt wurden; 1,15% stammten aus Gas, 2,25% aus Strom (davon wiederum 15% aus Erneuerbaren) und 4,6% aus nachwachsenden Rohstoffen (Rapsöl, Palmöl, usw.). Insgesamt stammten 2009 also 4,94% der im Verkehr verbrauchten Energie aus regenerativen Energien und Nachwachsenden Rohstoffen, weshalb auch hier 2020 mehr als fünf mal mehr Energie aus regenerativen Energien kommen müsste.

Um den gesamten Verkehr zu elektrifizieren müssten fast 2,4 Exajoule mehr an elektrischer Energie bereitgestell werden, wenn der Verkehr im Vergleich zu 2009 nicht zunimmt, wovon eher nicht auszugehen ist. Heimlich still und leise hat sich die Bundesregierung deshalb auch im Schatten der Energiewende von ihren hehren Klimaschutzzielen verabschiedet. Ohne die Atomkraftwerke lassen sich die CO2-Ziele nicht erreichen, und mit mehr Elektrofahrzeugen wird es für die Stromversorgung nicht einfacher. Braunkohlekraftwerke werden die Lücke füllen müssen – und dann ist sie dahin, die „schöne“ CO2-Bilanz des Opel Ampera und seiner Brüder und Schwestern.

Alternativ ließe sich Deutschland natürlich noch in ein Mosaik aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen, unterbrochen von Pumpspeicherkraftwerken, umwandeln. Will man allein den Energieverbrauch im Verkehrsbereich allein oder auch nur größtenteils aus regenerativen Energien decken, so reicht der geplante Ausbau bei weitem nicht aus. Die einzig einigermaßen wirtschaftlichen Technologien, Biomasse und Windkraft zusammen mit Pumpspeicherkraftwerken, haben aber entweder einen exorbitatnten Flächenverbrauch oder lassen sich nicht überall wirtschaftlich betreiben. Selbst mit Repowering und Erschließung neuer Windkraftstandorte in Waldgebieten lässt sich der benötigte Strom nicht erzeugen, ganz zu schweigen von den nötigen Speicherkapazitäten.

Quellen:
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Energiedaten, ausgewählte Grafiken (Stand: 07.12.2011) PDF
Agentur für Erneuerbare Energien: Erneuerbare Energien 2020, Potenzialatlas Deutschland (Stand: Februar 2010) PDF.


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