So klingt der Wahlkampf – ein musikalisches Gruselkabinett

So klingt der Wahlkampf – ein musikalisches Gruselkabinett

Ich hatte eigentlich gedacht, spezielle Wahlkampflieder wären bei den zur Bundestagswahl antretenden Parteien weiter verbreitet, womit ich allerdings falsch lag. Glücklicherweise. Von den über 30 Parteien, die sich um den Einzug bewerben, konnte ich lediglich bei dreien ein offizielles Musikstück finden. Die drei Exemplare reichen aber aus, allen anderen Parteien zu danken, darauf verzichtet zu haben. Wobei, gerade bei den vielen Kleinstparteien hätte es da ja vielleicht interessante Ergebnisse geben können.

Und täglich grüßt das Murmeltier von der CDU

Mir war bisher nicht bekannt, dass bei der kommenden Wahl schon Kindergartenkinder ihr Kreuzchen machen dürfen, aber die sind offenbar die Zielgruppe dieses Stückes. Liebe, Leben, Träume. Und irgendwas wollen. Man könnte versucht sein, dass Lied wirklich gelungen zu nennen, ist es doch ebenso nichtssagend wie viele Aussagen der Kanzlerin. Alles ist toll, alles ist schön, Mutti wird’s schon weiter richten.

Die SPD bleibt weiter zuhaus…

…anstatt auf den Regierungsbänken Platz zu nehmen. Auch die SPD möchte vor allem die Erstwähler von 2025 und darüber hinaus ansprechen. Zuerst baut man mit Bob dem Baumeister im Sandkasten ein Haus, da dürfen dann alle rein. Und die Parteimumien erzählen darinnen von den glorreichen alten Zeiten. Der Beschreibung auf Soundcloud folgend scheint Helmut Schmidt, der letzte freie Raucher in der Anti-Raucher-Partei SPD, auch am Lied mitgewirkt zu haben, anders lassen sich die dort erwähnten kreativen Rauchschwaden nicht erklären.

Die AfD gibt nicht auf nicht aufzugeben

Das Lied nimmt sich ja zumindest mal der eigenen Anhängerschaft an, die eigentliche Zielgruppe solcher Stücke. Das Werk scheint unter der Dauerbeschallung mit aktuellen Umfragewerten von 2 bis 3 Prozent entstanden zu sein. Die politische Aussage bewegt sich auch nahe des Nullpunkts, aber immerhin ist schon mal die Zielgruppe richtig.

Und der Rest?

Der Rest verschont die Welt glücklicherweise. Von den Grünen bin ich allerdings enttäuscht, die halten sich doch sonst für die einzige Partei die wirklich rockt und die doch gerade bei Künstlern angeblich so beliebt ist. Mit Claudia Roth haben sie sogar eine Bundesvorsitzende, die im letzten Jahrtausend mal die Politrocker von Ton Steine Scherben gemanagt hat.

Ähnlich sieht es bei der Linken aus. Die haben mit Diether Dehm einen Musikproduzenten und Liedermacher in ihren Reihen. Da hätte man doch zumindest Was woll’n wir trinken 7 Tage lang nehmen können. Im Gegensatz zu allen anderen Liedchen grölt das wenigstens jeder freiwillig mit, genug Promille vorausgesetzt.

Fazit

Eins muss man den musikalischen Ergüssen der Parteien ja lassen: sie fügen sich prächtig in den bisherigen Wahlkampf ein. Entweder sind sie (glücklicherweise) nicht vorhanden, oder sie kommen so lauwarm daher wie der ganze bisherige Wahlkampf.


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