Na, ist dein Leben schön?

Na, ist dein Leben schön?

Obige Frage kann man zum einen freundlich interessiert stellen, sie aber ebenso vorwurfsvoll betonen. Um letztere Ausprägung soll es hier gehen, die vor allem scheinbar oft von Menschen geprägt wird, deren Leben selber schön ist, die aber nicht verstehen können oder wollen, dass andere Lebensentwürfe auch zu einem schönen Leben führen können. Die passende Gegenfrage ist meiner Meinung nach: „Wieso, deines nicht?“.

In Zeiten der Krise scheint es noch weniger opportun zu sein, sich eines schönen Lebens zu erfreuen, als es ohnehin schon verwerflich ist. Das Leben hat auch im 21. Jahrhundert hart und entbehrungsreich zu sein, sonst hat man es sich nicht verdient. Wer sein Leben nicht selber verkompliziert oder zumindest ständig am Jammern ist, dem sollte selbstverständlich die Schamesröte ins Gesicht steigen, wenn ihm obige Frage gestellt wird. Es kann ja auch einfach nicht angehen, ein schönes Leben zu haben, wenn alle Zeichen auf Untergang stehen.

Problematischer und anmaßender sind aber die Menschen, deren Lebenseinstellung einer bloßen Attitüde der Schwere des menschlichen Daseins gewichen ist. Sich Zeit für schöne Dinge zu nehmen ist für sie bloß Ausdruck einer modernen Dekadenz, die gerne als Spaßgesellschaft diffamiert wird. Es kann und darf einem einfach nicht gut gehen, denn das Leben ist ein tiefes Jammertal, das wir Seit an Seit durchschreiten und wehe einer weicht uns von der Seite. Wer vom Aufstehen bis zum Einschlafen nicht zumindest so tut, als würde er die ganze Zeit schwer und verantwortungsvoll arbeiten, der macht sich zutiefst verdächtig, dem imaginären Jammertal entfliehen zu wollen. Es kommt dabei auch gar nicht so sehr auf den Sinn oder Unsinn einer Tätigkeit an, als vielmehr darauf den Eindruck zu erwecken, man hätte einfach keine Zeit.

Eine nicht unwesentliche Rolle scheint dabei die mangelnde Selbstsicherheit mancher Zeitgenossen zu spielen, auf die andere Herangehensweisen wie ein Trommelfeuer auf die eigenen Entscheidungen und Einstellungen wirken. Um sich des eigenen Selbst wieder sicherer zu werden versucht man, die Tätigkeiten und die Lebensführung des Gegenüber dadurch zu diskreditieren, dass man ihren Wert und ihre Relevanz als unwichtig und nutzlos abtut. Und das, obwohl die andere Herangehensweise die eigene in keinster Weise beeinträchtigt oder delegitimiert – außer in der eigenen Wahnvorstellung, dass Leben müsse einem festen Muster folgen. Wer feste Muster als Halt braucht, soll sie nutzen, es ist nichts Schlechtes dabei, alles hat Vor- und Nachteile, man sollte nur einfach das für sich passende finden. Wenn man es aber gefunden hat, sollte man nicht damit anfangen, die, die es anders machen, in einer heiligen Mission davon zu überzeugen versuchen, wie wertlos sie und ihr Leben sind.

Hier geht es nicht um die Verteidigung von Müßiggang auf Kosten anderer. Hier geht es darum, dass Menschen unterschiedlich sind und ihre Prioritäten jeweils selber setzen. Was einem wichtig ist, muss jeder selbst entscheiden. Der Nutzen einer Arbeit erschließt sich auch nicht allein aus den positiven monetären Effekten die daraus entstehen, aber wer gerne so tut als würde er viel arbeiten – oder es auch wirklich macht, der möge bitte die mit seinen Jammerelaboraten verschonen, die es nicht nötig haben, so zu tun.

Ja, dass Leben ist schön..


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