Der Winter, die arme Sau

Der Winter, die arme Sau

Strandkorb im Schnee

Der Winter, die arme Sau

Anfang Dezember wurde noch allerorten rumgejammert, dass es gar keinen richtigen Winter mehr gäbe. Das Gespenst des Klimawandels klopfte landauf landab an die Tür, und auf eine weiße Weihnacht solle man keine Hoffnung verschwenden. Es hat auch wunderbar zugetroffen. Auf Heiligabend war es draußen nicht weiß. Dafür aber die Tage davor und alle Tage danach bis jetzt. Im Augenblick ist es auch schon wieder am Schneien.

Vor allem in den Medien, insbesondere in selbsternannten Jugendradiosendern, ist das Wetter eines der beliebtesten Themen. Es lässt sich ja auch immer so herrliches Geschwätz darüber verbreiten, dass es immer so ist, wie es nicht sein soll. Im Sommer ist es ja auch eigentlich nie warm, es ist entweder zu heiß oder es ist kein richtiger Sommer. Was nun richtige Sommer und Winter und Herbste und Frühlinge sind ist so eine Sache. Durch eigene Beobachtung sollte man feststellen können, dass sie jedes Jahr ein bisschen anders sind. Aber nein, es muss ja perfekt sein und immer passen.

Den Winter hat es dabei am schwersten getroffen. Er kann es so gut wie nie jemandem recht machen. Schneit es wenig, dann wird er geschmäht und ihm wird die Eigenschaft eines „richtigen“ Winters abgesprochen. Zeigt er dann mal was er kann, dann schreien alle ganz schnell „Jetzt reicht’s!“ (wie die Neue Westfälische am Donnerstag auf ihrer Titelseite). Der Winter soll schön brav sein. Er soll kalt sein, aber bloß nicht zu kalt. Schneien soll es nur an ein paar Wochenenden und dann am besten auch nur in den Wintersportgebieten oder auf den Schlittenpisten vor Ort. Sollte es doch mal länger schneien, dann aber bitte nicht auf Straßen und Gehwege, denn das nervt ungemein. Hat der Winter es aber nicht geschafft, über die Weihnachtsfeiertage alles in ein weißes Kleid zu hüllen, dann hat er schon fast alle Sympathien verspielt. Wenn er dann auch noch, so wie jetzt, an allen anderen Tagen Schnee, Eis und Kälte verbreitet, dann gehört er in seine Schranken gewiesen. Wenn es noch ein paar Wochen schneit, dann werden wahrscheinlich die Rufe nach einer wirklich vom Menschen gemachten Klimaerwärmung laut, dann geht es dem Winter an den Kragen.

Warum regen sich viele Leute über Dinge auf, die sie nicht ändern können? Wenn es schneit, dann schneit es, wenn es regnet, dann regnet es, wenn die Sonne scheint, dann scheint sie. Da können Radio- und Fernsehsender noch so viele Sendeminuten mit Rumgeheule verschwenden und Zeitungen noch mehr Seiten mit den immer gleichen Berichten zutexten, es wird den Winter nicht interessieren. Denn der hat ein dickes Fell.


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