Schäuble fordert Rollstühle für alle

Schäuble fordert Rollstühle für alle

In einem Gastbeitrag für die Zeit-Beilage Christ & Welt fordert Schäuble, wir sollten uns „in unseren eigenen westlichen Ländern für eine Begrenzung des Wirtschaftswachsums einsetzen“, die globale Ökonomie enthalte „zu vielen Menschen das vor, was sie wirklich brauchen, und gleichzeitig nährt es ein unbegrenztes und ungebremstes Begehren, das auch angesichts von Reichtum und Überfluss noch anhält“.

Schäuble möchte uns also alle fortschritts- und wirtschaftstechnisch in einen Rollstuhl verbannen, zum Wohl der restlichen Welt – und natürlich zu unserem eigenen Seelenheil. In kolonialherrlicher Manier weiß Schäuble, was gut für die Menschen ist und kennt ihre Bedürfnisse besser als sie selbst

Alle Jahre wieder werden gerade in der Adventszeit ja solche konsum- und kapitalismuskritischen Säue durch’s Dorf getrieben. Jetzt ist Wolfgang Schäuble aber nicht irgendein in die Vergessenheit abgleitender Prominenter sondern Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland. Schäuble, der 1942 geboren wurde, sollte es dabei eigentlich besser wissen. Ohne den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt im Nachkriegsdeutschland gäbe es heute keine wohlhabende Bundesrepublik. Gerade Wachstum enthält nichts vor, sondern bringt jedem Menschen neue Möglichkeiten, man schaue sich nur all Aufbruchsstaaten in Asien und Südamerika an.

Wirtschaftswachstum und technischer Fortschritt haben im letzten Jahrhundert mehr Menschen aus der Armut befreit, als es alle gut gemeinten (internationalen) Regierungsprogramme jemals schaffen werden. Diese schönen Programme degradieren die Menschen zu reinen Almosenempfängern und manifestieren einen lebensunwürdigen Status Quo. All die Länder, die heute zu den Schwellenländern gehören oder schon den Sprung in den Kreis der modernen Industrienationen geschafft haben, schafften dies gerade durch Wachstum, und nicht durch Zurückhaltung und asketische Enthaltsamkeit. Schäuble scheint den Schmu von den Grenzen des Wachstums wiederbeleben zu wollen, den der Club of Rome 1972 verbreitete und der längst widerlegt ist.

Es sind gerade Wachstum und technischer Fortschritt, die die Menschen aus Abhängigkeiten befreien, und die, ja auch das, dass Leben angenehmer machen. All die ewigen Wachstums- und Fortschrittskritiker wären während der menschlichen Evolution auf dem Baum sitzen geblieben und dort elendig verkümmert, anstatt sich in die Weiten der neuen Steppen aufzumachen.

Die ganze religiös verbrämte Wachstumskritik a la Schäuble erinnert frappant an die Weltuntergangsstimmung im Mittelalter, die dem drohenden Weltuntergang mit Selbstgeißelung und Enthaltsamkeit begegnen wollte. Der Weltuntergang fiel damals aus, es blieb lediglich ein Haufen zerschundener Rücken.

Passend und unvermeidlich kam auch wieder die Schelte der bösen, gierigen Banker, die die Todsünde Gier in uns allen befeuert hätten. Diese Schelte sollte man jedem Politikerkopf um die Ohren hauen, dessen Mund sie verlässt, denn es war gerade die Politik, die mit ihren Rahmenbedingungen und ihrem billigen Geld und der Sucht nach Schulden die Krise entfacht hat. Es war und ist die Politik, die sich eine schöne neue Welt baut, die der Realität wie im Fall des Euro nicht stand hält. Und nun versucht man mit mittelalterlichem Ablasshandel das Ruder herumzureißen.

Es wird nicht funktionieren. Der Mensch ist Mensch, weil er sich aus der Natur befreien konnte, weil er neue Grenzen auslotet, nicht, weil er stehen bleibt.

Schäuble kann nichts dazu, dass er an einen Rollstuhl gefesselt ist, aber er sollte dem Rest der Menschheit den freien Gang nicht verbieten. Sein Glaube an Gott sei ihm gegönnt, Selbstgeißelung und Askese sollte er dann aber auch privat handhaben..


2 Kommentare zu „Schäuble fordert Rollstühle für alle Kommentare-Feed

Die Geschichte hat es damals widerlegt und widerlegt es gerade jetzt wieder. Das Potenzial zur Effizienzsteigerung ist gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern noch überhaupt nicht ausgeschöpft. Dazu kommen bessere Fördertechniken. Wenn es eine Ressourcenknappheit gibt, dann ist sie wie im Bereich Energie Folge politisch gewollter Fehlsteuerungen.

Wann bitte ist denn der „Schmu von den Grenzen des Wachstums“ widerlegt worden? So weit ich weiss, sind die Thesen des Club of Rome aktueller als je zuvor. Technologisch werden wir unsere Resourceneffizienz nicht viel weiter ausbauen koennen um eine Entkopplung von Wachstum und Resourcenverbrauch zu erreichen.


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