NRW-Wahl: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

NRW-Wahl: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Und fünf Jahre Schwarz-Gelb machen aus einem traditionellen SPD-Land noch keine CDU-Hochburg. So lag die CDU in den letzten 25 Jahren nur ein mal über 40 %, und das war 2005 mit 44,8 %. Davor dümpelte sie seit 1985 um die 36 und 38 Prozent rum. Mit ihrem jetzigen Ergebnis von 34,6 % hat sie zwar das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren, ist aber gar nicht so weit von den anderen Ergebnissen der letzten 25 Jahre entfernt.

Dies zeigt umso mehr, dass die CDU 2005 vor allem von Protestwählern gewählt wurde, die sich nun entweder wieder der SPD zugewandt haben oder gar nicht erst zur Wahl gegangen sind. 830.000 Stimmen hat die CDU im Vergleich zu 2005 verloren, davon 140.000 an die SPD, die meisten aber an die Gruppe der Nichtwähler, immerhin 330.000 Stimmen. Das Wahlergebnis von 2005 war vor allem für die CDU ein Ausreißer nach oben und schon damals gingen viele CDU-Politiker nicht davon aus, dass man dieses Ergebnis werde halten können. Man rechnete, wenn denn alles gut liefe, noch mit einer zweiten Legislaturperiode als Regierungspartei, ging aber spätestens danach von einer Abwahl aus. Bis ein paar Monate vor der Wahl sah es auch so aus, als würde diese Erwartung erfüllt, aber dann fing die CDU damit an, sich selbst ins Knie zu schießen.

Von all dem konnten die Sozialdemokraten kaum profitieren, auch wenn sie sich jetzt teilweise als Sieger feiern, weil es scheint, als hätten sie ihr Hauptziel erreicht. Viele Analysten, wie der Parteienforscher Franz Walter von der Uni Göttingen, versteigen sich nach dem Debakel für die CDU zu der Behauptung, dass auch diese ihre Stammwähler nicht mehr erreiche und gerade in ihren Hochburgen besonders stark verloren hätte. Vergleicht man nur die Ergebnisse von 2005 und 2010 trifft dies auch zu, aber 2005, war wie schon gesagt, eine Ausnahmewahl für die CDU. Sie bleibt in ihren Hochburgen weiterhin unangefochten stärkste Kraft, genauso wie die SPD ihre Hochburgen wieder zurückerobern konnte. Schaut man sich die Ergebnisse der letzten Jahre an und vergleicht 2010 nicht mit 2005 sondern mit 2000 und 1995, dann sieht es auch in den Hochburgen der CDU, wie Paderborn und Höxter, nicht dramatisch aus.

Ergebnisse im Wahlkreis Höxter und im Wahlkrei Paderborn I in den letzten 25 Jahren, die Werte in Klammern geben die Zweitstimmen an:

Wahlkreis Höxter
Partei 1995 2000 2005 2010
CDU 54,1% 54,5% 61,7% 52,4% (48,1%)
SPD 33,7% 30,6% 23,8% 28,3% (26,8%)
GRÜNE 7,4% 4,3% 3,6% 7,3% (8,3%)
FDP 3,2% 7,0% 5,4% 4,9% (7,0%)
DIE LINKE 0,6% 1,3% 4,1% (4,2%)
Wahlkreis Paderborn I
Partei 1995 2000 2005 2010
CDU 57,3% 56,5% 65,2% 57,4% (51,7%)
SPD 30,4% 27,8% 21,3%
21,3% (23,1%)
GRÜNE 7,5% 4,7% 3,4% 10,0% (9,0%)
FDP 3,5% 8,0% 5,4% 5,5% (6,7%)
DIE LINKE 0,6% 1,7% 4,2% (3,9%)

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